Donnerstag, 29. September 2016

Pferdegedanken - Gedanken an die Freiheit

Ich stehe im Stroh, umgeben von 4 Wänden, mir ist langweilig. Lustlos knabbere ich an ein paar Halmen,


                     
gähne gelangweilt  - und werfe einen sehnsüchtigen Blick durch die Gitterstäbe meiner Box hinaus.  
Neugierig schaue ich aus meinem Fenster und hänge meinen Gedanken nach.


Wie gerne würde ich jetzt über die Wiese galoppieren

 
                                                                                                                                
 
  






mir mit saftigen, grünen Gras den Bauch füllen








        mich ausgiebig am Boden wälzen,






um kurz darauf aufzuspringen und mit ein paar Bocksprüngen meine Lebensfreude kund zu tun. 



Statt dessen bin ich in meiner Box eingesperrt und stehe mir die Beine in den Bauch. Ich recke meinen Kopf über die Planken zu  meinem Nachbarn, doch ich erreiche ihn nicht, zu hoch ist die Wand. Enttäuscht schnaube ich mir den Staub aus den Nüstern, schüttle meinen Kopf. Wo bleibt "Er" heute nur so lange? Wann werde ich endlich heraus gelassen? Ich gähne, wandere ein mal im Kreis herum, lasse meinen Kopf hängen und beschnubere zum xten Male meine Roßknödel, doch sie sind schon kalt und duften nicht mehr. Es juckt mich und ich kann mich wenigstens am offenen Fenster schubbern.


Geduldig zu warten, bis "Er - mein Mensch" kommt, bis sich endlich die Türe öffnet und ich hinaus darf, habe ich gelernt, aber schwer ist es noch immer. Früher, ja da habe ich getobt, mit den Hufen gegen die Tür getrommelt, lautstark gewiehert, wenn ich zu lange meinen Bewegungsdrang bekämpfen mußte, geändert bzw. geholfen hat es aber nichts. So habe ich mich nach und nach damit abgefunden, geduldig zu warten, bis die Zeit gekommen ist.

Dabei geht es mir wirklich nicht schlecht. Ich bekomme regelmäßig meinen Hafer, den ganzen Tag Heu zu knabbern, habe so viel zu saufen, wie ich will, genug Stroh am Boden um bequem liegen zu können. Ich werde geputzt, frisiert, meine Hufe werden ausgekratzt, vom Schmied bearbeitet und gepflegt, und fehlt mir mal gesundheitlich was, kommt der Tierarzt.

Man könnte jetzt sagen, was willst Du mehr, aber kannst Du Dir das Gefühl vorstellen, das auch heute noch manchmal mein Blut in Wallung bringt - der Instinkt meiner Vorfahren, die nur eines kannten - FREIHEIT! Sonne, die das Fell erwärmt, Wind, der die Mähne zaust, Regen, der die Luft reinigt und die Erde dampfend macht. Und Weite, unendliche Weite zum laufen, laufen, laufen. Manchmal, nur manchmal packt mich die Sehnsucht, mein Herz beginnt zu hämmern, mein Blut rauscht in meinen Ohren und eine unerklärliche Spannung ist plötzlich in mir.

Selten, sehr selten habe ich Gelegenheit dieser Spannung nachzugeben, und dieses Gefühl auszukosten. Wenn "Er" und ich, alleine auf weiter Flur sind, dann kommt es schon mal vor, daß "Er" mir sagst: "Mach was Dir gefällt"!

Dann spanne ich meine Muskeln mit aller Kraft, die in mir steckt, an, strecke meine Beine immer schneller und weiter vor, im Sprung des Galopps, halte 

  meine Nase in den Wind und sauge gierig die Luft in meine Lungen. Mein Herz klopft schnell, meine Mähne flattert wild und meine Hufe fliegen nur so über den Boden, scheinen ihn kaum mehr zu berühren. So mten damals meine Ahnen gefühlt haben, wenn sie in riesigen Herden, Staub aufwirbelnd, die Steppe erzittern ließen.

Doch viel zu schnell ist alles - mein Freiheits-Traum - wieder vorbei. "Er" erwartet, daß ich wieder das gesittete, gehorsame und brave Pferd bin, und ich bin es auch.

Zufrieden und dankbar bin ich, doch mal wenigstens eine kurze Zeit das Gefühl meiner Vorfahren auskosten zu können.

Und wenn ich in meinem Stall stehe, Stunden um Stunden, und die Eintönigkeit an mir frißt, dann hoffe ich, daß heute so ein Tag ist, so ein Tag, an dem ich für kurze Zeit im Reich meiner Vorfahren weilen darf. 

Dienstag, 29. September 2015

Die Befreiung oder der Wahnsinn hat ein Ende



Heute war es endlich so weit. Beinahe am Ende meiner Kräfte, meiner Nerven und meiner Selbstachtung und am Rande der Selbstzerstörung konnte ich mich nur mehr mit totaler Überwindung der täglichen Situation stellen.
Düstere Wolken verdunkeln den Himmel
Warum können Menschen so sein? Warum handeln sie so? Warum gibt es kein Miteinander, sondern nur ein Gegeneinander? Was bewegt sie jenseits des guten Tons so gehässige Handlungen zu setzen?
Das Befinden des anderen – interessiert mich nicht
Die Handycups – sind nur vorgeschoben
Die Befindlichkeiten eines Tieres – wenns nicht meins ist – ists egal
Die Erklärungen warum und wieso – geht mich nichts an
Die Bitten für gewisse Abläufe – erst recht nicht so
Fremdes Eigentum zu ruinieren – warum ersetzen?
Selber als kleine „Rotte“ einzufallen, aber den Freundesbesuch des Anderen als unerträglich hinzustellen.
Kinder- und Hundanhang aussperren wollen, weil unerwünscht.
Keine Lautäußerungen des anderen dulden, aber selber nur Gequängel, Beschimpfungen, Hinstellen zur Blödheit.
Keine Herzlichkeit leben, habe sie überhaupt ein Herz? Ja aber nur als Maschine zum schlagen.

Was ist das für eine Jugend, die mit 14 Jahren nur danach trachtet andere Mitmenschen zu ärgern, zu demütigen, zu sekkieren, für dumm zu verkaufen? Taten zu setzen die eigentlich mit dem Wort „gemein“ zu betiteln sind.
Jede Handlung, jeden Akt des anderen als falsch oder blöde hinzustellen.
Kein Respekt vor dem Alter, vor Behinderungen, vor Langzeit-Alteingesessenen.
Immer wieder Vorfälle, an Haaren Herbeigezogenes aufzubauschen und aus einer Mücke einen Elefanten zu machen.
Permanente Provokationen um die sogenannte Macht zu demonstrieren.
Zustände beinahe wie im Mittelalter

Tiere zu provozieren, um dem Besitzer eins auszuwischen?
Die minimalsten Anstandsregeln wie grüßen zu ignorieren?
Was soll aus solchen Jugendlichen werden? Oder ist das normal in der heutigen Zeit? Müssen wir unsere Werte neu definieren?

Was sind das für Großeltern, die das fördern, zulassen, billigen oder sogar dazu animieren?
Oder haarsträubende Bedingungen stellen, um ein aus der Luft gegriffenes Problem zu lösen?
In einem Ton „kebbeln“ als wäre man ein Sklave.
Die die Enkel für Gemeinheiten gebrauchen, dazu anstiften?
Um selber „sauber“ dazustehen?
Oder es aber dulden, insgeheim frohlocken?
Es tut weh zu sehen was einige Mitglieder der Gesellschaft glauben zu sein.
Geld zu haben - gibt Macht – so denken sie - ist aber nicht meine Auffassung.
In einer hohen Position zu agieren – gibt das Recht über andere „drüber zu fahren“ und zu drohen – für mich erbärmliches Verhalten.
Herzlos zu handeln – Herz zeigen nur schwache, denke ich daß sie denken.
Respektvoller Umgang – ja aber bitte nur für mich.
Die Wogen gehen hoch
Selber Probleme mit dem Tier, na ja es wird halt ausgetauscht.
In kürzester Zeit dieselben Probleme mit dem neuen 4Beiner, warum wohl.
Vom Regen in die Traufe gekommen? Woran liegt es? Wohl nicht am Tier.

Ein gutes Jahr ging vorbei, anfangs noch mit Mühen alles hinzunehmen, auszugleichen, mit „Small Talk“ die Situation entspannen.
Zaghafte Versuche vielleicht doch ein gutes Miteinander zu entwickeln.
Kleine gegenseitige Geschenke.
Vorsichtige Erklärungen warum und wieso.

Aber alles nur Schall und Rauch, zu einem Ohr hinein, zum anderen hinaus.
Eine undurchdringliche Wand gespickt mit Dornen
 Anfangs noch vom Enkel vorsichtiges Leidklagen wegen der speziellen Großmutter, um nicht schwierig zu sagen – nicht einfach mit ihr – um seine Worte zu gebrauchen. Ich denke sie ist psychisch krank im gewissen Grade. Vielleicht weiß sie es selber nicht oder doch? Ist sie in Behandlung? Glaube ich nicht.
Ein groß aufgerissenes Maul mit spitzen Zähnen
Ein hin hacken gehört zum normalen Ablauf, ein hin hacken auf den Enkel oder aber in letzter Zeit auf mich. Hauptsache jemand ist da weil ohne hin hacken geht es nicht. Kein Tag verging ohne das.

Nach einem Jahr und immerwährenden Steigerungen bei falschen Beschuldigungen, Unterstellungen, Forderungen ging es nicht mehr.
Zähe Verhandlungen mit den oberen Instanzen, Zugeständnisse, Warten, Warten mit Hoffen und Bangen, Urgenzen.
Es braut sich was zusammen!
 Alles spitzt sich zu – bald geht es nicht mehr!!!! Seit der letzten harten Zeit visualisieren, wünschen, hoffen – auf bessere Zeiten. Ich komme mir vor wie in Fels in der Brandung, von überall her stürzt es auf mich ein.
Wie ein Fels in der Brandung
 Gibt es ein Licht am Ende des Tunnels? Gibt es eine Morgendämmerung?
Das Licht am Ende des Tunnels
Die Morgendämmerung
Und Bang - der große Knall - heute war es soweit. Überraschend - rasant - wie ein Wirbelsturm – der überraschende Auszug. Ein Auszug aus dem gepeinigten Gefilde mit Bomben und Granaten wie man so schön sagt. Was für eine Befreiung, was für eine Wohltat, was für eine Freude. 
Der Sturm hat sich gelegt, ich habe standgehalten!

Die Energie spürbar klarer, reiner, freier, friedvoller. Es ist wieder Platz da zum atmen.
Viel Platz für viel Luft zum atmen
Mein Herz hüpft, der Atem füllt die Brust, erweitet sie, Glücksgefühle und ein Umarmen der ganzen Welt – einfach wunderbar!!!!!












Vorbei die Gehäßigkeiten, vorbei die Anzüglichkeiten, vorbei das Sekkieren, vorbei die Behinderungen, vorbei die vorwurfsvollen Blicke.
VORBEI, VORBEI, VORBEI!

Wieder frei atmen zu können, wieder mit Freude kommen, wieder ohne Zeitdruck, um schnell „fertig“ zu werden, genießen zu können, wieder harmonisch die Stunden verbringen, wieder mit Freunden ungehindert plaudern zu können, wieder Lebensfreude zu spüren – WIE SCHÖN IST DAS!!   HALLELUJA!!
Trotzdem habe ich sehr viel daraus gelernt, mitgenommen und bin dankbar die Lösung selbst gefunden zu haben und durchführen zu können.

Der Friede ist eingekehrt
ICH EXISTIERE NICHT MEHR – ICH LEBE WIEDER!!!!

Sonntag, 13. April 2014

Reiten in absoluter Harmonie

Heute war wieder einmal so ein Tag, so ein Tag, die jetzt immer häufiger werden, die schon fast alltäglich sind, und doch so wunderbar, so einzigartig. Marfim, mein 21 jähriger Lusitanohengst ist im Herzen ein ganz ganz Großer, ein Pferd, eine alte Seele mit einem fast überirdischen Wesen, ein junges, aber gezügeltes Temperament, der immer sein Allerbestes gibt, der mit mir harmoniert, jede Sekunde bereit für uns, für unseren gemeinsamen Tanz. Der Tanz EINES Lebewesens, eine Einheit, ein Gedanke, ein Tun.

Wie sehr liebe ich das Gefühl des nach oben aufgewölbten, schwingenden Rückens, das sehr tätige aktive Hinterbein und die erhabene, kadenzierte Vorhand. Die Leichtigkeit in der Hand, der die Zügelverbindung nur als Taktstock eines Dirigenten gleichkommt.

Im Schritt am langen Zügel das lange Dehnen des Halses in ein vorwärts-abwärts immer als Belohnung nach einer Lektion, er genießt es, er weiß es zu schätzen.

Eine Drehung im Oberkörper nach innen, der äußere Zügel begrenzt die Schulter, eine gute Längsbiegung und schon hole ich im Schulterherein sein inneres Hinterbein,



im Kruppeherein reagiert er sofort auf meine nach vor kommende Hüfte mit dem äußeren Hinterbein - schön hin zum Schwerpunkt, so soll es sein. Fließende Traversalen, wie leicht gelingen diese Übungen.














Aus dem kadenzierten versammelten Trab entlädt sich seine Energie durch eine kleine Beckenbewegung meinerseits in eine hoch-weite Aktion zum Mitteltrab. So viele Jahre "bohrte" er in den Boden, aber jetzt zeigt er eine raumgreifende Manier.


Ein Druck auf den Bügel, ein umschließender Schenkel und weiter gehts in die Passage, keine Beinhebepassage, sondern eine wundervolle Rückenschwungpassage. Hoch und nieder, ganz still sitze ich, um ihn ja nicht zu stören.


Seine absolut beste Gangart ist aber der Galopp, ein bodenverachtender Galopp, hoch hebt er die Vorhand und sehr hoch die Hinterhand. Ich liebe es im sehr gesetzten, langsamen, ruhigen Galopp durch die Bahn zu reiten.



Eine kleine Drehung meines Oberkörpers und wir biegen auf eine immer kleiner werdende Tour, die bei einer Piourette endet. 1mal, 2mal, 3mal herum, es macht uns beiden viel Spaß.


Das Vor nach dieser hohen Versammlung in den verstärkten Galopp ist dann seine Belohnung. Wie liebt er das, die Hufe fliegen zu lassen. Am Ende der langen Seite mahne ich zum Einhalt und ganz ruhig mit einer halben Wendung galoppieren wir zurück, woher wir gerade gekommen sind.


Seine fliegenden Galoppwechsel sind das Allerbeste, eine Dressurreiterin, die uns mal beobachtete, meinte mal, da kriegst Du am Turnier eine glatte 9. Gut daß wir keine Turniere gehen, denn ohne Druck und Zwang, nur zum Spaß, macht es doch viel mehr Freude. Wir haben eine eigene Kommunikation für die Serienwechsel, die klappen bis zu den 2ern, und wenn ich mein Timing noch verbessern kann - wer weiß - vielleicht schaffen wir eines Tages noch die 1er.


Ein paar Piaffetritte, die sind nicht gerade unsere Stärke, aber Marfim bemüht sich redlich, und meist gelingen zwar nicht sehr hohe, aber doch diagonale Tritte.



Zum Abschluß darf Marfim seine Lieblingslektion zeigen - den span. Schritt. Den kann er meisterlich. Ganz langsam hebt er hoch und weit die Vorderbeine, dabei treten die Hinterbeine schön regelmäßig nach.


Er weiß, damit ist die Reitstunde abgeschlossen und ab gehts zum Wälzen im Sand
und anschließenden Koppelgang. Grünes Gras ist halt noch immer das Allerbeste und man kann es richtig sehen, wie sehr es ihm schmeckt. Sehr zufrieden mit sich und der Welt mampft er ruhig vor sich hin.


Mein Trainer von der span. Hofreitschule, dem ich auch sehr viel verdanke, meinte beim letzten Kurs, "Na der bewegt sich aber nicht wie ein 21jähriger". Er schätzt ihn auch sehr und seinen immer bereiten Willen zu arbeiten.

Besonders danken möchte ich Andrea einer ganz tollen sehr einfühlsamen Dressurreiterin und Bernhard ihrem Mann. Die beiden inspirieren mich in einer Art und Weise wie ich es mir immer schon gewünscht habe, unterstützen mich und zeigen mir den Weg, den ich immer gesucht habe.

Mein Herz schlägt sosehr für diesen Hengst, der mein absolutes Lebenspferd geworden ist, ich liebe ihn wie mein eigenes Leben und hoffe daß wir noch recht lange gemeinsam tanzen dürfen.

Freitag, 5. April 2013

Die linden Lüfte sind erwacht ODER Aufgalopp in den Frühling


4. April 2013
Endlich zeigt sich heute die Sonne, endlich keine Temperatur nur um 0 Grad. Gut gelaunt fahre ich zu Marfim. Heute gehts endlich mal wieder ins Gelände, ein Ausritt soll Abwechslung bringen nach den vielen Dressureinheiten. Keiner meiner Freunde hat Zeit, aber kein Problem, mein Hengst und ich sind zusammenge-schweißt, jeder kennt jede kleinste Regung des anderen. Es hat noch nie irgend etwas gegeben, mein Goldschatz ist ein 100 %iges Verlasspferd. Fürchtet als ehemaliges Stierkampfpferd nichts, schreckt sich nie.
Wir reiten in die Traunauen, hier gibt es noch Natur pur, keine Asphaltstrassen, nur Naturboden, Wiesen, Sandwege und Wald. So nah an der Stadt und doch mitten in der Einsamkeit. Nur am Traunradweg gelegentliche Spaziergänger und Radfahrer.
Marfim schreitet munter voran. Ich kann erkennen, daß auch er viel Freude am heutigen Ritt hat. Die Luft ist erfüllt vom Knoblauchgeruch des Bärlauchs, der jetzt den gesamten Auwald mit seinem satten Grün bedeckt.
rechts und links des Weges sprießt der Bärlauch hervor

Feines Summen der ersten Insekten kann ich vernehmen, das Gezwitscher der Vögel, die geschäftig ihre Nester ausbauen, um für den Nachwuchs gewappnet zu sein. eine tiefe Ruhe ist zu spüren, und FRIEDEN!

Wie genieße ich diesen Ritt! Nach einiger Zeit verlasse ich den Auwald, jetzt ist Marfim gut aufgewärmt, Zeit auch etwas höheres Tempo einzuschlagen. Wir nehmen den Wiesenweg zwischen dem Radweg und dem Ausgleichsgraben bei ev. Hochwasser.

Gehts nun endlich los?
 Hoch richtet sich Marfim auf, er kennt diese Strecke und weiß, jetzt liegen 1600 m Wiese vor uns. Ich versuche sein Verlangen noch etwas in Grenzen zu halten. Erst mal Traben!! Munter hebt er seine Beine bis zur waagrechten, schnaubt mehrmals ab und fragt nach dem Galopp.
Der Wind fährt durch sein Haar, als würde er damit das Startzeichen geben
Nach einiger Zeit geb ich das Zeichen. Halt, halt nicht gleich so schnell! Ginge es nach Marfim, würden wir nur so dahinfliegen. Doch seine 20 Jahre alten Beine wollen schon etwas Schonung. Wir galoppieren an ein paar Spaziergängern vorbei, die stehenbleiben und uns nachsehen. Ein Radfahrer kommt in Sicht, wir holen ihn ein, ich lockere die Zügel und Marfim reagiert sofort. Er streckt sich und wir fliegen los. Welche Kraft durchströmt meinen Körper, welche Lebensfreude und Lust drückt sich darin aus. Ein "Jippiiiieee" entfährt meinem Mund, als wir den Radler überholen, als würde dieser stehen. Doch nach ein paar hundert Metern mahne ich Marfim zum Trab überzugehen. Er soll sich nicht überanstrengen. Früher, ja früher, da sind wir die 1600 Meter in 2 Minuten durchgaloppiert. Heute freue ich mich aber auch über ein kleineres Stückchen, genieße es, ich will ja nichts riskieren.
Ach wie schön ist die Natur, wie wunderbar die Pferde, und das Leben läßt sich so so richtig "erleben".
Am Ende dieses wunderbaren Stückchen Natur biegen wir ab zum Weiggerlsee. Dieser ist in 2 Teile geteilt, ein größerer See, der nur für die Natur, Fischer und Vögel reserviert ist, und ein kleinerer, der zum Baden und für die Menschen vorgesehen ist.
Über einen verschlungenen Pfad reite ich zum Ufer.

Andächtig stehen wir da

Still liegt der See vor uns, keine Menschenseele weit und breit. Wie wunderbar ist doch dieses Fleckchen Erde.

Hier ist die Welt noch in Ordnung. Hier kann man all das vergessen, was man täglich durch Radio, Fernsehen und Zeitung vorgesetzt bekommt. Hier herrscht FRIEDEN!



Nach einigen Minuten des Verharrens machen wir uns auf den Heimweg. Der verläuft ganz gemütlich im Schritt, eine kleine Trabreprise. Ich nehme jetzt die andere Seite der Au, sodaß ich nicht am gleichen Weg zurück muß. Ich reite meistens einen Kreis, das finde ich besser, man sieht wieder Neues. Ein paar Fußgänger mit ihren Hunden begegnen mir. Auch sie nutzen den Frühlingstag. Freundlich wechsle ich ein paar Worte. Kurz bevor ich wieder in Ebelsberg beim Stall ankomme, begegnen uns 2 Spaziergänger. Die Frau spricht mich an und bittet mich, mein Pferd streicheln zu dürfen. Sie ist auch früher geritten, erzählt sie, und sie liebe den Pferdegeruch. Ganz tief steckt sie ihre Nase in Marfims Fell und atmet tief ein. Ein verklärter Blick von ihr. Ihr Begleiter blickt eher etwas irritiert.
Nach gut eineinhalb Stunden und etwas mehr als 10 km sind wir wieder zurück. Zurück in der alten Welt, zurück bei den täglichen Herausforderungen. Zurück bleibt aber auch die Erinnerung an einen wunderbaren Ritt, einen gemeinsamen Ausflug mit Harmonie, Einssein und Liebe. Liebe zur Natur und zu diesem wunderbaren Hengst.

Freitag, 15. Februar 2013

Im Nachhinein weiß man warum - Die Geschichte von Atrevido

Februar bis Mai 2008 

Im Februar 2008 begleitete ich meine Grazer Freunde auf eine Pferdetour in Portugal. Ich liebe dieses Land und nützte diese Gelegenheit die wundervollen Pferde - die Lusitanos - zu besuchen. Aber auch die herzlichen Leute, das gute Essen, der wunderbare Wein..... Nicht zu vergessen, das milde Klima und wenn wir bei uns mit der Kälte und Schnee auf den Straßen, Gehsteigen und sonst überall plagen, zu dieser Zeit blüht in Portugal alles und der Frühling hat Einzug gehalten.
Auf unserer Reise bei den verschiedenen Züchtern machten wir bei Paulo Fernandes einem lieben Freund Station. Die Junghengste wurden uns vorgestellt und ein kleiner 3jähriger weckte meine Aufmerksamkeit, sodaß ich Fotos und ein Kurzvideo von ihm machte. Da ich selber sehr klein bin interessieren mich naturgemäß Pferde, die von der Größe auch eher klein geraten sind. Noch dazu bewegte sich dieser Jungspund mit bemerkenswerter Manier. Damit war es aber auch schon vorbei, der nächste Youngster wurde uns vorgeführt.




Wieder zu Hause bearbeitete ich das Foto- und Filmmaterial und ich war fasziniert von diesem kleinen Lusitano. Atrevido hieß er, den Namen habe ich von meinen Grazern erfahren. Ich mußte immer wieder an ihn denken und er spuckte als Nachwuchspferd zu meinem Marfim in meinem Kopf herum. Also rief ich den Züchter Paulo an und fragte nach, ob er noch zu kaufen wäre. JA - mir wurde warm ums Herz. Kurz entschlossen - so gar nicht meine Art - wechselte er in meinem Besitz. Mit Herzklopfen wurde mir bewußt was passiert war. Eigentlich konnte ich mir ein 2. Pferd nicht leisten, eigentlich kann ich mit einem rohen Pferd nichts anfangen, eigentlich habe ich weder Zeit noch Energie, um mich um ein 2. Pferd zu kümmern. Aber wie es oft im Leben kommt, man tut Dinge, die nicht vom Verstand aus gesteuert werden.

Nun begann das Intermezzo mit Atrevido!

Atrevido in Portugal
Sehr gute Bewegungen zeichnen ihn aus und .....



..... er bewegt sich mit viel Charme


Von einer Bekannten ließ ich ein Pferdeinterview machen und u.a. war darin ganz deutlich die Rede vom großen berühmten Mann in Österreich, der für Atrevido eine große Rolle spielte. Was das bedeutete erfuhr ich später.

Anfang Mai passierten dann die merkwürdigsten Dinge. Angefangen, daß der Transporteur mir das Pferd an meine Wohnadresse zustellte, obwohl ich die Stalladresse angegeben hatte. Ich bekam ganz große Augen, als es an meiner Türe läutete und ein unbekannter Mann mir sagte er wäre mit meinem Pferd da. Ich muß dazu noch sagen, daß ich in Zentrumslage mitten in einer 200.000 EW-Stadt wohne. Vielleicht sollte ich ihn auf meiner Dachterasse unterbringen?

Also geschwind in mein Auto und dem riesigen Truck, der ganz cool auf einer der Hauptverkehrsstrassen auf der ersten Fahrbahn geparkt hatte, vorgefahren um ihm zum 15 km entfernten Stall zu lotsen. Gott sei Dank hatte ich einen Platz in einem Stall am Land gefunden, wo es riesige Weiden und Leute mit Jungpferdeerfahrung gab.
Zum Eingewöhnen kam er auf ein Paddock, wo er aber so gar nicht alleine bleiben wollte. 
Alleine auf dem Paddock

Wo sind die anderen?

Betrachten den Neuankömmling

Das Gras in Österreich schmeckt aber gut

So wurde er am nächsten Tag gleich in die Herde integriert. Am Abend kamen die Pferde in die Boxen, wo ich versuchte ihn an mich zugewöhnen, ihn zu putzen und zu streicheln. 

Von Tag zu Tag wurde es immer schwieriger ihn einzufangen, was schon bis 2 Stunden dauerte, trotz Professionellem Umgang. Jedes Mal wenn ich zu Atrevido kam, zeigte er mir immer deutlicher, daß er von mir so gar nichts hielt. Ich gebe ja zu, daß ich Null Jungpferdeerfahrung hatte, aber ansonsten war ich doch sehr versiert im Umgang mit Pferden.
Ist er anfangs noch zu mir gekommen, um sich eine Karotte abzuholen und ließ er sich kraulen, wurden die Momente immer seltener, bis er gar nicht mehr kam und schlußendlich sogar in meiner Richtung ausschlug. In der Box wurde er auch unwilliger und mir wurde langsam klar - Wir sind nicht füreinander bestimmt.

Nach einigen weiteren Tagen ließ er sich überhaupt nicht mehr einfangen, und so wurde er mit 2 anderen alten Pferden auch in der Nacht auf der Koppel gelassen.  Gelang es doch ihn einzufangen, riß er sich trotz Kette los, verletzte sich dabei.

Nach 2 Wochen war mir absolut klar, daß ich ihn wieder verkaufen werde. 

Kerstin Brain war auf der Suche nach kleinen Lusitanos für ihre Showauftritte. Da erfuhr sie von Atrevido, besuchte ihn mit Lorenzo ihrem damaligen Freund und
war gleich verliebt in ihn. So wechselte Atrevido ganz schnell seinen Besitzer. Kerstin kam gut mit ihm zurecht und nach einiger Zeit probierte ihn Lorenzo für seine Show aus. Was soll ich sagen, Atrevido wußte was er wollte, er wollte nicht Dressurpferd bei einer kleinen Lady werden sondern er wollte ins Rampenlicht der großen Shows - und landete beim großen berühmten Mann in Österreich. Ich konnte ihn dann bei einer seiner Auftritte besuchen, streichelte ihn sanft über den Hals und war sehr zufrieden, seine Weichen gestellt zu haben und sein Vermittler gewesen zu sein. Hätte ich Atrevido nicht nach Österreich geholt, wer weiß wo er gelandet wäre. ganz sicher nicht bei seinem großen berühmten Mann.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Die unverstandene Seele

Ja, es passiert jeden Tag zu jeder Stunde an vielen Plätzen auf diesem wunderschönen Planet Erde......

Egal ob die Seele zu einem Menschen oder einem Pferd  oder einem anderen Lebewesen gehört......

Ich denke die Zeitenergie wird immer feiner, durchlässiger, empfindsamer und reaktionsschneller...... Vielleicht deshalb??


Die Situationen spitzen sich zu, die Kommunikation verbal und nonverbal unverständlicher .....

Ja es gibt nichts schwierigeres zur Jetzt-Zeit als die Kommunikation
WARUM??

Warum gibt es so viele Verletzungen, so viel Unverständnis, so viel Mißverstehen??
Warum nur, warum?

Jemand sagt etwas und meint etwas aber die Worte werden nicht verstanden, schlimmer noch - sie werden fehlinterpretiert, sie werden mißverstanden!

Unsere menschliche Kommunikation - auf die wir uns so viel einbilden - wie wir glauben das hebt uns von den Tieren ab - ist eigentlich der große Hemmschuh!!

Wir können uns kaum "verständlich" mitteilen TROTZ oder WEGEN unserer Worte.
Wieviel einfacher dagegen ist die Kommunikation der Tiere, speziell auch der Pferde.

Klar, verständlich, direkt und ehrlich!! Und gerade deswegen werden auch die Pferde immer wieder total mißverstanden!

Und dann tut sich der Mensch dahin hervor, daß er mit Gewalt glaubt sein "Glaube zu Wissen" drastisch mitzuteilen.

UND DIE UNVERSTANDENE SEELE LEIDET!!

Warum sind wir Menschen so "eingebildet" und glauben ALLES besser zu wissen?

Weil - ich muß es immer wieder betonen - je weniger wir wissen, desto mehr glauben wir zu wissen und je mehr wir wissen, desto mehr wissen wir, daß wir NICHT VIEL wissen!

Heute konnte ich einer der unverstandenen Seelen zu kleinen Momenten der Lebensfreude verhelfen - WELCHE FREUDE FÜR MICH!!